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Extensive oder intensive Dachbegrünung: Die richtige Systemwahl für Ihr Bauprojekt
Bevor eine Dachbegrünung ausgeschrieben werden kann, muss die Systemfrage geklärt sein. Extensiv oder intensiv sind dabei nur die beiden Grundtypen, in der Praxis kommen bei gewerblichen Flachdächern regelmäßig auch Retentionsdächer und Solargründächer als Varianten infrage. Welches System passt, hängt weniger vom Wunschbild als von drei harten Faktoren ab: Dachneigung, verfügbarer Traglastreserve und geplanter Nutzung der Fläche.
Die vier Systemtypen im Überblick
Extensive Begrünung
Pflegearmer Aufbau mit Sedum, Kräutern und Gräsern, Aufbauhöhe etwa 8 bis 15 cm, Flächengewicht wassergesättigt rund 60 bis 150 kg/m². Geeignet für Dachneigungen bis 10 Grad, Standardlösung für Gewerbe- und Bürodächer ohne Nutzungsabsicht der Dachfläche selbst.
Intensive Begrünung
Dachgarten-Charakter mit Stauden, Gehölzen oder Rasenflächen, Aufbauhöhe ab etwa 25 cm, Flächengewicht ab rund 200 kg/m², bei Gehölzpflanzung deutlich höher. Geeignet bis maximal 5 Grad Dachneigung, da bei stärkerer Neigung Erosion und Wasserabfluss im höheren Substrataufbau problematisch werden. Typisch für begehbare Dachterrassen und Dachgärten mit Aufenthaltsqualität.
Retentionsdach
Extensive Begrünung, kombiniert mit einer Drosseleinrichtung, die Regenwasser gezielt zurückhält und verzögert abgibt. Das zusätzliche Gewicht liegt über dem einer klassischen extensiven Begrünung, abhängig vom geplanten Rückhaltevolumen. Relevant vor allem dort, wo die Kanalisation entlastet oder eine Auflage zur Regenwasserbewirtschaftung erfüllt werden muss.
Solargründach
Extensive Begrünung in Kombination mit einer aufgeständerten Photovoltaikanlage. Die Vegetation nimmt dabei nur einen Teil der Fläche ein, der Rest trägt die PV-Module. Beide Nutzungen schließen sich nicht aus, in der gewerblichen Praxis ist diese Kombination zunehmend der Regelfall statt die Ausnahme.
Woran sich die Entscheidung tatsächlich festmacht
Dachneigung
Ab etwa 5 Grad wird eine intensive Begrünung technisch schwierig, ab 10 Grad wird auch eine extensive Begrünung zunehmend anspruchsvoll und erfordert zusätzliche Maßnahmen gegen Substratabtrag.
Traglastreserve
Die verfügbare Reserve entscheidet oft schon vor jeder gestalterischen Überlegung, ob intensiv überhaupt infrage kommt. Bei knapper Reserve im Bestand ist ein extensives Leichtdach-System häufig die einzige praktikable Lösung.
Geplante Nutzung
Soll die Fläche begehbar und nutzbar sein, führt kaum ein Weg an einer intensiven Ausführung vorbei. Bleibt das Dach reine Funktionsfläche, ist extensiv in den meisten Fällen die wirtschaftlichere und pflegeärmere Wahl.
Regenwassermanagement
Besteht eine Anforderung zur Rückhaltung von Niederschlagswasser, etwa im Rahmen einer kommunalen Auflage oder zur Reduzierung der Abwassergebühr, ist ein Retentionsdach die zielführende Variante gegenüber einer einfachen extensiven Begrünung.
Checkliste zur Systemwahl
- Dachneigung ermitteln, bevor eine Systemvariante festgelegt wird
- Traglastreserve prüfen oder prüfen lassen, bevor eine intensive Begrünung in Betracht gezogen wird
- Klären, ob die Fläche später begehbar und nutzbar sein soll
- Prüfen, ob eine Anforderung zur Regenwasserrückhaltung besteht
- Bei gleichzeitig geplanter PV-Nutzung: Systemwahl und Modulbelegung gemeinsam planen, nicht nacheinander vergeben
Häufige Fragen
Kann ich extensiv und intensiv auf demselben Dach kombinieren?
Ja, bei ausreichender Traglastreserve lassen sich Teilflächen unterschiedlich ausführen, etwa eine begehbare intensive Zone neben einer extensiven Restfläche.
Ist ein Retentionsdach teurer als eine klassische extensive Begrünung?
In der Regel ja, da die Drosseleinrichtung und ein höheres Rückhaltevolumen zusätzlichen Aufwand bedeuten. Der Mehrpreis relativiert sich dort, wo eine Rückhalteauflage ohnehin erfüllt werden muss.
Welches System ist bei Bestandsgebäuden am wahrscheinlichsten umsetzbar?
Meist ein extensives Leichtdach-System, da es die geringste zusätzliche Flächenlast erzeugt und damit am ehesten innerhalb vorhandener Traglastreserven bleibt.
Was kostet das passende System für Ihr Dach?
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